Das Straßenbahn-Ausbauprogramm ist auch für den neuen Hauptbahnhof wichtig

In der Sitzung der Stadtentwicklungskommission (STEK) am 31. Jänner 2012 präsentierte die Stadt Wien das Straßenbahn-Ausbauprogramm für die kommenden Jahre. Das derzeit in Bearbeitung befindliche Ausbauprojekt der Linie D bringt die Straßenbahn direkt unter den neuen Hauptbahnhof mit direkten Zugängen zu den Bahnsteigen.

Weiters wurden als vorrangige Planungen die Verlängerung der Linien O und 18 vorgeschlagen. Die Linie O wird Teile des 20. Bezirks erschließen. Die Verlängerung der Linie 18 bildet eine direkte Verbindung in den Prater und vor allem zur Wirtschaftsuniversität.

In dem Plan ist noch eine Linie vom Hauptbahnhof Richtung Süden angedeutet.

In der gleichen Sitzung wurde die Machbarkeitsstudie zum 13er präsentiert. Auf Grund der hohen Kosten (120 Millionen Euro) wird die Umstellung leider zurückgestellt.

Für den Hauptbahnhof ist es wichtig, dass er von möglichst vielen Linien (Straßenbahn und Bus) angefahren wird. Es ist zu begrüßen, dass das Liniennetz rund um den neuen Hauptbahnhof ausgebaut wird. Diese Linien bedienen einen großen Teil Wiens ohne Umsteigen. Eine  zusätzliche U-Bahnlinie  erschließt ohne Umsteigen NUR das Gebiet entlang der Linie und verursacht außerdem enorme Kosten. Auch das im Gespräch befindliche Linienkreuz U2/U5 ist auf Grund der hohen Kosten und der geringen Wirksamkeit für den neuen Hauptbahnhof keine Alternative und daher abzulehnen.

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Fachveranstaltung der Österreichischen Verkehrswissenschaftlichen Gesellschaft (ÖVG)

Teil 3: Der Hauptbahnhof und seine Einbettung in das Nahverkehrsnetz der Stadt
Direktor Dipl.-Ing. Günter Steinbauer, Wiener Linien

Hier eine kurze Zusammenfassung des Vortrages.

Der Anteil des Öffentlichen Personen Nahverkehrs soll von derzeit 33 % auf 36 % im Jahr gesteigert werden. Dies ist nur bei einem entsprechend verbesserten Angebot des öffentlichen Verkehrs möglich.
Im Jahr 2009/10 beförderte die Schnellbahn 300.000 Fahrgäste (FG) täglich. Die Wiener Linien haben ca. 2.3 Millionen FG täglich. Ca. 140.000 PendlerInnen benützen die ÖBB.
Prognostizierte Steigerung der Fahrgäste von 2011 bis 2025 (mit Hauptbahnhof) auf einzelnen U-Bahnstrecken zwischen 6 – 22 Uhr (siehe Tabelle 1) :
U6 zwischen Philadelphiabrücke und Längenfeldgasse: 59.400 auf 89.400
U1 zwischen Südtiroler Platz und Karlsplatz: 62.300 auf 104.500
U1 Praterstern zum Stephansplatz: 85.000 auf 111.800

Geplantes Linienkreuz U2/5:
Die Linie U2 benützt den bestehenden Teil der Linie U2 vom Praterstern bis zur Station Rathaus und zweigt dort ab und wird in einer Neubaustrecke  über die Pilgramgasse  zum Matzleinsdorfer Platz in den 10. Bezirk weitergeführt.
Die Linie U5 benützt den bestehenden Teil der Linie U2 von Karlsplatz bis zur Station Rathaus und wird dann in einer Neubaustrecke über Hernals bis nach Dornbach geführt.

Auswirkungen des Linienkreuzes U2/U5:
Derzeit steigen in der Station Philadelphiabrücke/Bhf. Meidling in der Spitzenstunde (7 – 8 Uhr) 2.700 von der ÖBB auf die U6 um. Im Jahr 2025 (mit Hauptbahnhof) werden es 4.000 Fahrgäste sein, eine Steigerung von 48 %. Durch das Linienkreuz U2/U5 würden die Umsteiger um 10 % auf 3.600 Fahrgäste reduziert.
Am Südtiroler Platz werden Im Jahr 2025 (mit Hauptbahnhof) 5.900 auf die U1 umsteigen. Durch das Linienkreuz würde sich die Zahl der Umsteiger auf 3.400 vermindert. Auf die Anzahl der Fahrgäste zwischen 6 und 22 Uhr hat das Linienkreuz keine Auswirkung.
Am Matzleinsdorfer Platz würden in der Spitzenstunde 1.300 auf die U-Bahn umsteigen. Zwischen 7 und 22 Uhr würden 13.000 Fahrgäste von der ÖBB auf die U-Bahn umsteigen.

Anmerkung:
1.300 Umsteiger von der ÖBB in die U2 am Matzleinsdorfer Platz rechtfertigen keinen Bau des Linienkreuzes.
Nicht nachvollziehbar ist, dass am Südtiroler Platz bei gleichbleibender Anzahl der umsteigenden Fahrgäste (47.000) zwischen 6 und 2 Uhr in der Spitzenstunde durch das Linienkreuz U2/U5 um 1.500 Fahrgäste weniger umsteigen!
In der Station Philadelphiabrücke steigen in der Spitzenstunde – laut Präsentation –  durch das Linienkreuz  um 1.400 Fahrgäste weniger um. Zusammen mit dem Südtiroler Platz ergibt das eine Summe von 2.900 Fahrgäste. Am Matzleinsdorfer Platz sind es aber nur 1.300 Fahrgäste die umsteigen. Hier gehen 1.600 Fahrgäste verloren.

Die Präsentation, die eine Bewerbung des Linienkreuz U2/U5 sein soll, ist das Gegenteil: die gelieferten Zahlen rechtfertigen nicht den Bau dieser sündteueren U-Bahnlinien.

Tabellen 1 + 2