Erste Campus in der Vorlesungsreihe „Spezialgebiete der Gebäudelehre“

Das Institut für Architektur und Entwerfen, Abteilung Gebäudelehre und Entwerfen veranstaltet die Vorlesungsreihe „Spezialgebiete der Gebäudelehre“ auf der TU. Am 26. November fand ein Vorlesung über den „Erste Campus“ statt.

Mag.arch Marta Schreieck sprach über Architektur: Vor sechs Jahren fand ein internationaler geladener Wettbewerb statt. Flächenmäßig ist der Erste Campus größer als der WU-Campus. Es werden 117.00 m² oberirdische und ca. 60.000 m² unterirdische Flächen verbaut. 
Der Masterplan hat die Blockrandverbauung der Gründerzeit im 4. Bezirk aufgegriffen und fortgesetzt. Bei der Blockrandverbauung wird das Grundstück entlang der Straßen verbaut. Dies ermöglicht große begrünte Innenhöfe.  Nach 30 Modellstudien, eine davon 1:50, kam das Architektenteam zu dem Ergebnis, dass der Masterplan verlassen werden muss. Es wurden gekrümmten Fassaden entwickelt, die auch von der Strßenfront abrücken, um für jeden Arbeitsplatz eine Aussicht ins Grüne zu gewährleisten. 
Es gab Schwierigkeiten mit dem Weltkulturerbe bei der Höhe des Baublocks an der Karl-Popper-Straße. Der Block wäre in einem Zwickel der Dachlandschaft des Oberen Belvedere von Blick des Unteren Belvedere aus sichtbar geworden. Daher wurde die Höhe verringert. Damit das Verhältnis der Blöcke zueinander erhalten bleibt, wurden die Höhen der anderen Baukörper angepasst. 
Das Gebäude ist für 4.500 MitarbeiterInnen konzipiert. Großer Wert wurde auf die Nutzung der EG-Zone gelegt. Ein Veranstaltungssaal für 500 Personen und eine Gastro-Zone sollen eine Belebung auch nach den Bürozeiten bringen. 
Im Gürtel-Block wird es einen Kindergarten geben, der seinen Freiraum in einem begrünten Lichthof haben wird.  Im 1. Stock gibt es einen Verbindungsgang zwischen den einzelnen Gebäuden, die zum Teil öffentlich zugänglich sein wird.
Die Regelgeschoße haben keine statisch tragenden Wände. Es wird offene Bürozonen geben, keine Einzelräume, sondern eine Großraumnutzung, allerdings ist die Akustik ein Problem. Dieses kann nur gelöst werden durch einen speziellen  Bodenbelag und besonderer Möblierung. Es gibt drei auswählbare Arbeitsplatztypen, somit entsteht eine Arbeitswelt mit Design. 
Die Lastabtragung erfolgt durch schlanke Stützen. Es ist eine sehr filigrane Konstruktion. Die Aussteifung der Gebäude erfolgt durch die Stiegenhäuser und Aufzugsschächte.

SANYO DIGITAL CAMERAHinter der Glasfassade liegen in einem Abstand von 65 cm Holzelemente, die teilweise zum Öffnen sind.

Dipl.-Ing. Manfred Gmeiner – Zivilingenieur: Die Konstruktion besteht aus punktgestützten Decken, die Stützen gehen durch bis zum Fundament, eine Pfahl-Platten-Gründung. Die Stützen haben oben einen Durchmesser von 30 cm, unten von 50 cm. Es gibt keine Abfangungen, dies spart Konstruktionshöhe. 
Die tragende Konstruktion des Gartendecks war sehr schwierig: große Lasten und große Spannweiten (bis zu 30 Meter). Die Träger wurden dem Landschaftsverlauf angepasst und bestehen aus maßgefertigten Hohlkästen. Die Decke des Veranstaltungssaals besteht aus bis zu 30 Meter gekrümmte Trägern. 
Eine besondere Herausforderung für die Statik waren die auskragenden Gebäudeteile.

Dipl.-Ing. Msc. Alexander Kunz – Brandschutzplaner: In dem gesamten Gebäude gibt es eine Sprinkleranlage. Daher gibt es keine Probleme mit dem Brandüberschlag in der Fassade. Im jedem Kern gibt es ein Sicherheitsstiegenhaus mit Drucklüftung und einem Feuerwehraufzug. Drucklüftung damit im Brandfall kein Rauch in die Stiegenhäuser dringt. Im Keller sind keine Fenster und spezielle ausgebauten Gängen als Fluchtwege. 
Es gibt einige Flächen, in denen Behinderte nicht beschäftigt werden dürfen, da in diesen Bereichen die Räumzeit für Behinderte nicht eingehalten werden kann.

Arch. ETH Christian Maeder – Projektmanagement Erste Group Bank AG: Der Campus ist ein strategisches Projekt, da in den Bestandsbauten die Infrastruktur und der technische Standard nicht mehr den Anforderungen entspricht.
Ziel sind flexible und reversible Räume für Arbeitsplätze für künftige Arbeitsformen. Durch die Konzentration auf einen Standort  ergibt sich eine Effizienzsteigerung: Reisezeiten und tägliche Mitarbeiter werden verringert.
Gewünscht ist die Verbesserung des Schweizer Gartens entlang der Arsenalstraße. So soll das Gebüsch rund um die Gleisschleife entfernt werden, um den Blick in den Park zu öffnen.
Der Erste Schauplatz hat nur eine begrenzte Baugenehmigung. Es gibt Gespräche mit der Gemeinde Wien über eine Nachnutzung.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: