Provisorischer Ostbahnhof bringt wesentliche Verschlechterungen beim Umsteigen zum öffentlichen Verkehr.

Elf Wochen noch, dann wird der Südbahnhof, eigentlich Süd- und Ostbahnhof,  gesperrt und der provisorische Ostbahnhof nimmt seinen Dienst auf. Die bestehenden Bahnsteige werden um ca. 150 Meter verkürzt und auf Höhe der Schweizergartenstraße in der Arsenalstraße wird sich dann der provisorische Ostbahnhof befinden. Davor wird es nur eine Haltestelle der Linie 69A geben. Nicht einmal die, von den Wiener Linien ins Auge gefasste Verlängerung der Linie 13A bis zum provisorischen Ostbahnhof wird es geben, geschweige denn eine Verlängerung der Linie D.

Dies bedeutet eine echte Verschlechterung für alle Fahrgäste, die umsteigen müssen. Entweder sie benützen den einzigen Bus 69A  vor dem Aus- bzw. Eingang und steigen dann zusätzlich noch einmal um oder sie gehen gleich zu Fuß. Eine Verlängerung der Linien D und 13A würde zumindest allen Fahrgästen dieser Linien, die zur Ostbahn wollen, ein zusätzliches Umsteigen, bzw. einen längeren Fußweg ersparen. Komfort wird leider bei den Wiener Linien noch immer kleingeschrieben.

Mindestens vier Jahre müssen die Fahrgäste nun diese Verschlechterung in Kauf nehmen. Um eine Verbesserung zu erreichen, bleiben die Grüne bei ihrer Forderung nach Verlängerung der Linien D und 13A zum provisorischen Ostbahnhof!

Grüne vermuten, dass SPÖ-Gemeinderat Hora den Ostteil des Südbahnhofes nicht genau kennt.

In einer Presseaussendung behauptete der SPÖ Gemeinderat Hora folgendes: Der Weg zur Haltestelle der Buslinien 13A und 69A in der Arsenalstraße, aber auch zu den Tramlinien O und 18  ist durch den Wegfall des verwinkelten Weges durch die frühere Bahnhofshalle im Verhältnis zum nunmehrigen, direkten Außenweg praktisch nicht länger geworden. Das belegen die diesbezüglichen Messungen“.

Es wäre interessant, wo und wie „die diesbezüglichen Messungen“ durchgeführt wurden. Jede/r der/die den Ostteil des Südbahnhofes kennt, weiß, dass die Wege zu den Straßenbahnen nicht verwinkelt sind. Zu den Linien 18 und O kann man jetzt ziemlich gerade durchgehen, zu den Linien 69A, 13 A und D muss einmal ein Winkel von 90 Grad geschlagen werden.

Hier wird mit unrichtigen Behauptungen versucht, die Fahrgäste zu beruhigen und von den Verschlechterungen, die auf die Fahrgäste zukommen, abzulenken. Es wird damit auch versucht zu untermauern, dass kein Handlungsbedarf  für Verbesserungen besteht.

Eine Verlängerung der Linie 13A zum provisorischen Ostbahnhof wäre eine Verbesserung, die sich alle Fahrgäste, die in den nächsten Jahren mit der Baustelle Hauptbahnhof leben müssen, mehr als verdient haben.  Eine Verlängerung de Linie D wäre das Optimum um den Fahrgästen in der Umbauphase „entgegenzukommen“. Die Grünen sind gerne bereit, mit Herrn Gemeinderat Hora die einzelnen Wege nach zu messen.

Fertigstellungstermin auch nicht mehr fix?

Logisch, dass die Hauptbahnhofprojekt verantwortlichen nach dem Skylink Skandal aufpassen müssen, aber was spielt sich da ab, dass die gesamte Planung umgekrempelt werden muss?

Aus dem Kurier v. 18.9.09

Eröffnung 2012 nicht mehr fix

ÖBB-intern schwindet der Glaube daran, dass der angepeilte Eröffnungstermin für den neuen Wiener Hauptbahnhof noch hält. „Wir arbeiten bereits mit Szenarien, die von einer Teileröffnung im Fahrplanjahr 2014 ausgehen“, sagt ein Insider aus dem Personenverkehr. Bisher sollte der Bahnhof ein Jahr früher, im Dezember 2012, in provisorischen Betrieb gehen. Grund ist vor allem die Absicht der Bundesbahn, die Arbeiten am Hauptgebäude neu auszuschreiben: Die Gebote der beteiligten Firmen sollen „von marktüblichen Preisen weit entfernt“ – also zu teuer – gewesen sein. Eine Bietergemeinschaft (Porr, Strabag, Alpine und Pittel&Brausewetter) hat gegen diese Absicht Einspruch beim Bundesvergabeamt eingelegt. Dieses muss bis 1. Oktober prüfen, ob die Gründe der ÖBB für eine Neuausschreibung ausreichen. Bei der Bahn beginnt nun das Zittern: „Nach derzeitigem Stand können wir das Terminrisiko durch Umplanungen auffangen“, sagt eine ÖBB-Sprecherin. „Aber je nachdem, wie’s nach dem 1. Oktober ausschaut, muss man dann weiterschauen.“

Neuerliche Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) für den Hauptbahnhof erforderlich.

In den Erörterungen und Verhandlungen zur UVP war der am öftesten vernommene Satz: „Das ist nicht Teil des eingereichten Projektes und nicht Teil der Verhandlung. Wir können nur das vorgelegte Projekt einer Beurteilung unterziehen“. Mit einem Wort, keine der von den BürgerInnen-Initiativen vorgeschlagenen Abweichungen und Änderungen konnten berücksichtigt und untersucht werden.

Jetzt soll ein Cable Liner gebaut werden, der durch den Bahnhof geführt werden soll. Dieses Massenbeförderungsmittel war im Projekt nicht enthalten und war daher nicht Gegenstand der UVP.

  • Das Bahnhofsprojekt soll aus Kostengründen abgespeckt werden: Rolltreppen sollen gestrichen werden,
  • die Garage soll verkleinert werden oder ganz gestrichen werden,
  • auf die Geothermie-Nutzung soll verzichtet werden,
  • die Dachkonstruktion soll geändert werden.

Das sind alles in allem sehr wesentliche Änderungen. Das soll plötzlich alles ohne UVP möglich sein?  Entweder die Aussagen in den Verhandlungen waren falsch oder es ist nach diesen gravierenden Änderungen, bzw. dem neuen Cable Liner eine neue UVP erforderlich!

Lesetip

‚Variationen im Stein‘ – Artikel aus der Wienerzeitung vom 11 September 09

Hat sich die ÖBB mit dem Hauptbahnhof übernommen?

Die abgegebenen Angebote zur Errichtung des Hauptbahnhofes liegen weit über den Vorstellungen der ÖBB. Und daher soll die Ausschreibung  wiederholt werden.

Dies wirft einige Fragen auf. Hat die ÖBB falsch kalkuliert? Oder sind die Angebote alle überhöht, da es Absprachen gegeben hat? Beide Fragen lassen den Schluss zu: es droht ein Finanzdebakel!

Aber es gibt kein Zurück mehr, da die ÖBB ja schon einige Liegenschaften verkauft hat. Daher muss der Südbahnhof abgerissen werden und ein neuer Bahnhof errichtet werden.

Um die Kosten zu verringern, soll das Projekt abgespeckt werden. Folgende Maßnahmen sind vorgesehen:

  • Entfall der Rolltreppen in der Verteilerhalle Mommsengasse – Staus vor Aufzügen oder Kofferschleppen über Stiegen wären damit vorprogrammiert;
  • Entfall der Lastenaufzüge in der Bahnhofshalle – Überlastung der Personenaufzüge wäre die unausweichliche Folge;
  • Entfall der geplanten Geothermie-Nutzung für die im großen Umfang nötige Kühlung des Gebäudes – ein wichtiger Teil der Nachhaltigkeit fällt weg;
  • Vereinfachung der Dachkonstruktion, z.B. durch Verkleinerung (weniger „Rauten“) und Ersatz der Glasflächen durch Membranen – damit drohen letztlich teure urheberrechtliche Probleme mit den Planern des Bauwerks;
  • Reduktion der Brandschutz-Aufwendungen für das Bahnhofsgebäude wird überlegt – das bringt Sicherheitsprobleme;
  • Verlagerung und Verkleinerung der Parkgarage – dafür werden offenbar zusätzliche große oberirdische Parkflächen im Areal, womöglich vor dem Bahnhofsgebäude (!) überlegt.
  • plus betrieblich komplexe Vermengung der PKW-Parkflächen mit dem Ladehof für ÖBB und Geschäftsmieter – das führt zu logistischen Problemen.

Das Projekt soll schon jetzt bis zu 80 Mio. Euro über den von Verkehrs- und Finanzminister akzeptierten Kosten laut ÖBB-Rahmenplan liegen. Der Kostenrahmen ist erst vor Kurzem  um ca.  47,7 Mio Euro auf 933,7 Mio. Euro erhöht worden. Der Großteil dieser Erhöhung ist für den Cable Liner vorgesehen.

Selbst mit den vorgeschlagenen kundenfeindlichen Einsparungen  kann nicht einmal die Hälfte der Kostenüberschreitung „hereingebracht“ werden. Aber allein für das Teilstück des unsinnigen Cable Liner sind 40 Mio. Euro reserviert.

Hauptbahnhof verkommt immer mehr zum Provinzbahnhof

Die Ausschreibung der Bauarbeiten hat ergeben, dass der Bahnhof viel teurer kommt, als geplant und nun setzt man den Sparstift an. Unter anderem ist geplant, die Rolltreppen beim Abgang zur verlängerten Mommsengasse (am östlichen Ende der Bahnsteige) zu streichen. Wieder wird auf Kosten der Fahrgäste gespart. Entweder sie schleppen ihr Gepäck über die Stiegen oder sie stellen sich in die Warteschlange vor den Liften an, um zur Straßenbahnlinie D zu kommen.

Auf Grund der schmalen Bahnsteige, einfach aus Platzmangel, sind keine zusätzlichen Abgänge zur verlängerten Argentinierstraße möglich. Diese wären aber für eine verbesserte Anbindung an den öffentlichen Verkehr unbedingt erforderlich.

Für jeden Bahnsteig waren ursprünglich vier Rolltreppen, zwei feste Stiegen und drei Aufzüge geplant.  Diese „Ausstattung“ entspricht aber eher einem Provinzbahnhof, als einem großstädtischen Hauptbahnhof, der ein wichtiger Knotenpunkt des Transeuropäischen Netzes werden soll. Hier noch eine Rolltreppe einfach vom Plan zu streichen, heißt am falschen Platz sparen. Dienst am Kunden sieht ganz, ganz anders aus!