Regenwassermanagement ist nicht nur Versickerung

Vom Vertreter der Bürgerinitiative Hauptbahnhof Wien Manfred Itzinger wurde in der öffentlichen Verhandlung zur Umweltverträglichkeitsprüfung am 8. Juli 2008 zum Projekt Städtebauvorhaben „Hauptbahnhof Wien“ nachgefragt, ob Regenwassermanagement vorgesehen sei. Die Antwort der ÖBB, dass direkte Versickerung vorgesehen sei, ist mehr als unbefriedigend.

Regenwassermanagement ist mehr als Versickerung. So kann aufbereitetes Regenwasser als Brauchwasser für die Bewässerung von Grünflächen, aber auch für Toiletteanlagen verwendet werden.

In Berlin gibt es ein gelungenes Beispiel für Regenwassermanagement. Im Neubaugebiet rund um den Potsdamer Platz wurde schon in der Planung die entsprechenden Maßnahmen berücksichtigt. Für die Hochhäuser gibt es Gründächer, die das Regenwasser zum Teil zurückhalten, Zisterne, aus denen die Brauchwasserleitungen in den Hochhäusern gespeist werden und ein kleiner See, in dem das Wasser gereinigt wird, bevor es in den Vorfluter abgegeben wird.

Eine ähnliche Planung wie in Berlin in dem gesamten Areal rund um den Hauptbahnhof könnte die Belastung der Kanäle und der Kläranlage wesentlich vermindern und wäre ein Beitrag zur Schonung der Trinkwasserressourcen.

Siehe auch den Artikel Regenwassermanagement auf

http://wieden.gruene.at/hauptbahnhof/artikel/lesen/27237/

Wo bleiben die Bürgerinnen und Bürger?

Erfahrungen aus den Umweltprüfungsverfahren zum Hauptbahnhof.

Das Gesetz über die Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) sieht die Beteiligung der direkt betroffenen Bürgerinnen und Bürger vor. Durch das Einbringen von Einwendungen während der öffentlichen Auflage erlangt man Parteienstellung im UVP-Verfahren.

Wie sich bei den drei UVPs zum Hauptbahnhof zeigt, ist die Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger sehr gering.

Woran kann das liegen?

Wissen alle betroffenen Bürgerinnen und Bürger über das Verfahren bescheid? Da es sich um ein Großverfahren handelt, werden die Betroffenen nicht persönlich verständigt, sonder alle Verfahrensschritte (Öffentliche Auflage mit Einsichtnahme, Abgabe von Einwendungen, Öffentliche Erörterung, Öffentliche Verhandlung) werden per Edikt (Ankündigung in zwei Tageszeitungen, eine davon die Wiener Zeitung) angekündigt.

DIE GRÜNEN haben mit ihren bescheidenen Mittel versucht, hier einzuspringen und haben Informationen in den an das Projekt angrenzenden Gebieten per Post versand, die teilweise zu spät oder gar nicht angekommen sind.

Ist die Information der betroffenen Bürgerinnen und Bürger mangelhaft? Ja und Nein! Positiv ist anzumerken, dass die ÖBB in mehreren Veranstaltungen die Bevölkerung informiert hat. Negativ ist, dass Personen, die in die Unterlagen Einsicht genommen haben, auf sich alleine gestellt waren, da sie keine inhaltliche Unterstützung erhielten. Die anwesenden Personen waren über die Inhalte nicht informiert.

Hatten die betroffenen Menschen die Möglichkeit, Einsicht zu nehmen? Ich sage NEIN. Auch wenn sie es wussten, konnten die meisten keine Einsicht nehmen. Die Einsichtnahme war nur während der normalen Arbeitszeit möglich.

Alle Unterlagen sind auf elektronischen Datenträgern vorhanden und sind daher ganz einfach Online zu stellen. Damit wird der Zugang für die Bevölkerung wesentlich erleichtert.

DIE GRÜNEN fordern den Gesetzgeber auf, die gesetzlichen Bestimmungen des UVP-Gesetzes so zu ändern,

  • dass zum Edikt die betroffenen Menschen über die einzelnen Termine persönlich verständigt werden müssen,
  • dass während der Zeiten der Einsichtnahme Personen anwesend sind, die inhaltliche Informationen geben können,
  • dass alle Unterlagen in Zukunft verpflichtend Online gestellt werden müssen!

Der Automated People Mover – eine Disneybahn für Wien

In London Heathrow werden die ankommenden Passagiere von einem Automated people mover (APM) zur Gepäcksabholung transportiert. Der Terminal 5 funktionierte zwar wochenlang nur schlecht, hat aber eine sehr teure schicke APM. In Innsbruck bringt uns die coole Hungerburgbahn vom Kongresshaus zu besagter Hungerburg. Sicher ein gutes Geschäft für die Errichter die Firma Leitner aus Südtirol. In Las Vegas und in Venedig baut der Konkurrent Doppelmayr aus Vorarlberg.

Wien ist ja eine Weltstadt mit einem neuen Hauptbahnhof und weil dieser Nabel der Welt noch keinen APM hat, braucht es einen besonders schicken. Der gondelt dann durch den Bahnhof und das angrenzende Gelände. BM Häupl ist dafür. Zahlen soll die finanzschwache ÖBB. Die Wiener Linien wollen sie auch nicht bezahlen. Die Machbarkeitsstudie der MA18 beruhigt da nicht wirklich.

Sicher ist, dass der Bahnhof wichtig und notwendig ist. Er ist aber zu eng und zu klein geplant. Das ist den Unterlagen der Unverträglichkeitsprüfung zu entnehmen. Die ÖBB Immobilientruppe hat ja bekanntlich die Infrastruktur besiegt – deswegen der eher für die nächsten Jahrzehnte zu kleine Bahnhof.

Und dann die Disneybahn – der Apm . Was soll das werden Die dafür vergeudeten Millionen Euro wären besser in einen größeren Bahnhof investiert worden. Wenn das schon nicht mehr geht dann wenigstens in die Photovoltaikanlagen an den Lärmschutzwänden und am Dach.

Rüdiger Maresch

Bürgerinitiativen zum Projekt Hauptbahnhof

Das Gesetz über die Umweltverträglichkeitsprüfung sieht die Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger durch die Bildung von Bürgerinitiativen vor. Damit eine Bürgerinitiative von der Behörde anerkannt wird, muss sie während der öffentlichen Auflage von mindestens 200 Personen durch ihre Unterschrift unterstützt werden.

Es gelang drei Bürgerinitiativen die erforderlichen Unterschriften zu sammeln. Zwei Bürgerinitiativen, die eine getragen von Personen aus dem Arsenal (Bürgerinitiative Arsenal) und die andere, getragen vorwiegend von Personen aus der Oberen Wieden (Bürgerinitiative Bahnhof Wien), arbeiten eng zusammen Die erste hat ihr Hauptaugenmerk auf die Baumaßnahmen entlang der Arsenalstraße, die zweite entlang des Gürtels gelegt. Sonst sind ihre Forderungen größtenteils identisch.

Diese beiden Bürgerinitiativen werden von den GRÜNEN unterstützt. Aber der Großteil der Arbeit, wie das Sammeln der Unterschriften, das Erarbeiten der Stellungnahmen und die Organisation erfolgt ehrenamtlich, da den Bürgerinitiativen kein Geld zur Verfügung steht.

Die dritte Bürgerinitiative (Bürgerinitiative Hauptbahnhof) wurde von der ÖVP Wien gegründet. An und für sich ein Widerspruch, da die Initiative von einer Partei ausgegangen ist und nicht von den Bürgerinnen und Bürgern selbst. Die ÖVP Wien beklagt in ganzseitigen Artikeln und Anzeigen, dass die mehr Mitsprache der Bezirke (sprich Bezirksvorsteherin Reichard) fordert und sich deshalb genötigt sah diese Bürgerinitiative zu gründen.

Alle drei Bürgerinitiativen haben ihre Einwendungen bei der öffentlichen Anhörung und den Verhandlungen eingebracht. Wie weit sie berücksichtigt werden, werden die Bescheide zeigen, die im November zu erwarten sind. Dann entscheidet sich auch, ob gegen die Bescheide berufen wird oder nicht.