23 -25 Juni 08 – öffentliche Verhandlung zur UVP – Bahninfrastruktur

Im Haus der Begegnung, 1100 Wien, Ada Christen – Gasse 2b

Beginn: 9:00 (Einlass ab 8:00)

Ziel einer UVP (Umweltverträglichkeitsprüfung) ist, die Umweltauswirkungen eines Projektes in einer umfassenden und integrativen Weise zu ermitteln, beschreiben und zu bewerten und dann bei der Entscheidung im Genehmigungsverfahren zu berücksichtigen. Zu jeder UVP gehört eine mündliche Verhandlung, in welcher die Anliegen und Interessen der Parteien (AnrainerInnen bzw. BürgerInneninitiativen) besprochen und vertreten werden können.

Gespannt sind wir darüber, wie viele Menschen bei den öffentlichen Verhandlungen anwesend sein werden, und sollten es so wenige werden wie bei der öffentlichen Erörterung, die Anfang Juni stattgefunden hat, dann bleibt die Frage offen, warum so wenige hinkommen. Liegt das an Mangel an Information?Sich nicht betroffen bzw. nicht angesprochen fühlen? Ist das Mangel an Interesse für dieses Projekt? Obwohl ein sehr großer Teil der Wiener Bevölkerung künftig den Hauptbahnhof benützen wird.

Haben Sie Parteienrechte? Gehen Sie am Montag hin?

Bericht vom 2. Tag der öffentlichen Anhörung – Teil 3: Sonstiges

Der Südbahnhof wird schon Ende 2009 gesperrt. Die Bahnsteige des Ostbahnhofes werden um ca. 150 Meter verkürzt. Dadurch werden die Umsteigwege für die Fahrgäste länger. Es gibt zwar schon eine Verbesserung, indem der Bus 13A bis zum provisorischen Vorplatz verlängert wird. Dies ist ungenügend. Auch die Linie D soll verlängert werden.

Dies geht erst, wenn die Unterführung bei der Ghegastraße benützbar ist.

Das ist ein Missverständnis. Die Linie D soll während der Bauphase in der Arsenalstraße verlängert werden, mit einer Umkehrschleife neben dem 20er Haus.

Dies kostet zu viel und ist Sache der Wiener Linien.

Das Tragwerk der Brücke über die Geiselbergstraße wird verdoppelt (2 Felder). Ist eine Verbreiterung der Straße geplant?

Die Stadt Wien plant, die Straßenbahn auf einem eigenen Gleiskörper zu führen, daher zwei Felder.

Was geschieht mit dem Postamt während der Bauphase und in der Betriebsphase?

Es gibt Verhandlungen mit der Post. In der Bauphase soll das Postamt in Containern untergebracht werden. Für die Betriebsphase im Gebäude selbst. Aber es gibt noch keine Verträge mit der Post.

Ein Blick in die Ferne…

Bahnhöfe sind ja dazu da, entfernte Destinationen anzupeilen. Eine sei hier erwähnt, da man von ihr punkto Verkehr vieles abschauen kann: Kopenhagen.

Die dänische Hauptstadt ist insgesamt viel weniger am Auto orientiert, als man das von Wien gewohnt ist. Es gibt viel weniger Parkplätze an den Straßen, und der ganze Verkehr läuft viel entspannter ab. Das Hauptverkehrsmittel ist das Fahrrad, mit dem so gut wie alles transportiert wird, für Kinder und Lasten haben die meisten eine große Kiste zur Verfügung.

Sehr gut scheint auch die Kombination von Öffentlichen Verkehrsmitteln und Fahrrädern zu funktionieren. In den U- und S-Bahnen gibt es reichlich Platz zur Mitnahme von Rädern und auch die entsprechenden Zugänge zu den Stationen. Wie am Foto erkennbar, ist der Hauptbahnhof von Kopenhagen von Fahrrädern gesäumt – rundum, bei allen Eingängen sind unzählige Radabstellanlagen angebracht. Besonders toll ist auch die Brücke über den Bahnhof, von der aus man direkt von der Straße alle Bahnsteige erreichen kann.

Umweltverbund Bahn-Rad

Das ist doch tatsächlich eine praktische Sache, und eine wirkliche Alternative für PendlerInnen: mit dem Zug in die Stadt, und sofort umsteigen aufs Fahrrad und weiterradeln. Fortbewegung im Umweltverbund aus Öffentlichen Verkehrsmitteln und Fahrrädern kann so wirklich attraktiviert werden.

Gerade die Neuplanung des Wiener Hauptbahnhofs ist die Möglichkeit, ausreichend Platz für Fahrräder bereit zu stellen und kürzeste Wege zu gewährleisten. Es bleibt zu hoffen, dass die Kombination Bahn/Rad auch in Wien so gut genutzt wird!

Bericht vom 2. Tag der öffentlichen Anhörung – Teil 2: Umwelt

Positiv ist zu bemerken, dass die Nutzung von Erdwärme in der Bodenplatte der Garage angedacht ist. Mein Vorschlag, die Erdkörper unter den Bahnsteigen zwischen der Argentinierstraße und Mommsengasse bzw. Mommsengasse und Ghegastraße auch zu nutzen und den Überschuss an Energie eventuell an die angrenzenden Liegenschaftseigentümer zu verkaufen.

Der Projektbetreiber hat dies in Erwägung gezogen und Untersuchungen angestellt. Man muss bei den Flächen rundherum 3 Meter abziehen, da erst dann die erforderlichen Temperaturen gewährleistet sind. Das Einbringen von Kollektoren bei aufgeschütteten Erdkörpern ist technisch schwieriger. Es ist machbar, aber teurer. Die Investitionen rentieren sich erst nach 24 Jahren.

Die Lärmschutzwände soll in der Station bis zum Dach hochgezogen werden.

Dies ist aus Brandschutzgründen (Rauchabzug) nicht möglich.

Verbesserter Lärmschutz: Geplant sind Lärmschutzwände links und rechts entlang der Bahnhofsanlage. Da in vielen Bereichen die Anlage aus vielen Gleisen besteht, sind zum besseren Lärmschutz mindestens nach jedem zweiten Gleis eine Lärmschutzanlage zu errichten (sieh Westbahn vor St. Pölten und zwischen Melk und Amstetten). Außerdem sollte man die Lärmschutzwände auch für die Erzeugung von Solarenergie verwenden.

Die Anordnung von Lärmschutzwänden zwischen den Gleisen ist aus Platzgründen nicht möglich.

Hier musste ich spontan folgenden Kommentar abgeben: Bei der Errichtung einer Lärmschutzwand benötigt man daneben einen Fluchtweg, so dass pro Lärmschutzwand ca. 1,5 Meter verloren gehen. Bei vier Wänden zwischen den Gleisen sind das 6 Meter. Und die können nicht verkauft werden. Verkaufserlöse sind der ÖBB wichtiger als der Schutz der Bevölkerung.

Die Verwendung der Lärmschutzwände zur Gewinnung von Solarenergie wird untersucht. Ein abschließendes Ergebnis liegt noch nicht vor.

Durch den Einbau von bituminösen Tragschichten werden zusätzlich große Flächen gegenüber heute versiegelt. Dies bringt Schwierigkeiten im Kanalnetz. Daher ist für das gesamte Projekt Regenwassermanagement vorzuschreiben.

Hier kam ein Vorwurf, wie GRÜNE ein Regenwassermanagement verlangen können, da ja bei Unfällen das Wasser verunreinigt werden kann und da ist es besser, man leitet es in den Kanal. Außerdem benötigt man große Flächen zum Versickern, die im städtischen Bereich nicht vorhanden sind.

Durch die Regenüberläufe kommt es zur Verschmutzung der Vorfluter Wien und Donaukanal. Daher wird das Wasser über den 10. Bezirk nach Simmering umgeleitet.

Hier musste ich folgendes entgegnen: Entlang der Wien wurde ab Pilgramgasse ein großer Sammelkanal gebaut, der auch als Retentionsbecken fungiert. Daher gelangen keine mit Fäkalien verschmutzte Regenwässer in die Wien. Es gibt in der Argentinierstraße einen Punkt im Kanalnetz, der die zusätzlichen Abwässer nicht problemlos aufnehmen kann.

(Anmerkung: Das Regenwassermanagement etwas mehr ist, als Wasser zu versickern, hat sich bis zum Projektbetreiber noch nicht herumgesprochen. Hier bedarf es noch Überzeugungsarbeit.)

 

Bericht vom 2. Tag der öffentlichen Anhörung – Teil 1: Verkehrsstation

Durch ein E-Mail war ich darauf vorbereitet. Trotzdem war ich überwältigt von der Anzahl der Expertinnen und Experten, die dort zur Verfügung standen, an die hundert! Und trotzdem war ich enttäuscht über die geringe Anzahl an Bürgerinnen und Bürger, die anwesend waren.

Nach einer kurzen Vorstellung der rechtlichen Grundlagen durch Mag. Andresek und des Projektes selbst durch DI Engel, stand der ganze ExpertInnenpool zu meiner Verfügung.

Meine erste Fragerunde habe ich an dem Schlagwort der ÖBB „kundenorientierte Verkehrsstation“ aufgebaut: In der Verkehrsstromanalyse des Österreichischen Raumordnungsinstitut wird aufgezeigt, dass es auf den Bahnsteigen, vor allem bei den Abgängen, aber auch in der Bahnhofshalle ein fürchterliches Gedränge geben wird. Meiner Meinung nach wenig kundenorientiert. Eine Verbesserung würde zusätzliche Abgänge bei der Durchfahrt Argentinierstraße bringen und mehr Fahrtreppen bei der Durchfahrt Mommsengasse bringen.

Dies wird seitens der ÖBB mit der Begründung abgelehnt, die Fahrgäste würden bei vielen Abgängen die Orientierung verlieren. Aber auch, dass die Abgänge vielen nicht nutzbaren Raum unter den Treppen und Fahrtreppen erzeugen.

An der Verkehrsstromanalyse habe ich noch kritisiert, dass der, der Berechnung zugrunde gelegte, Modalsplit von der heutigen Situation hochgerechnet wurde. Die ÖBB sollte sich ein hochgestecktes Ziel setzen und z. b. 75 % der Pendler aus Niederösterreich als KundInnen gewinnen. Gerade an den hohen Benzinpreisen sieht man, wie rasch sich hier Veränderungen ergeben und dann der Bahnhof zu klein dimensioniert ist.

Die Antwort war, man hat sich an die üblichen Prognosen gehalten.

Ich brachte den Vorschlag ein, das am Vorplatz Nord die Buslinie 13A den Gleiskörper der Linie O mitbenützen soll. Dies bringt die Fahrgäste näher an den Eingang. Hier kritisierte ich allgemein, dass alle, die mit dem Auto kommen (Taxi, Garage), näher an den Bahnsteigen sind, als die Menschen, die mit dem Öffis kommen. Weiteres Beispiel: die Haltestelle der Buslinie 13A liegt neben dem Bahnhof genau in der Mitte zwischen Eingangshalle und Durchfahrt Mommsengasse. Dies ergibt für die Fahrgäste einen zusätzlichen Weg von ca. 200 Meter.

Hier wurde zuerst argumentiert, dass die Frage des Vorplatzes Nord nicht Gegenstand des Verfahrens ist. Dies wurde aber richtig gestellt, das die beiden Vorplätze zum Gleisbauverfahren gehört. Aber die Frage der Linienführung ist eine Sache der Wiener Linien und ist noch veränderbar.

Ich brachte den Vorschlag ein, die Verkaufsfläche zu verkleinern. Dies bringt mehr Bewegungsflächen für die KundInnen der Bahn und auch weniger EinkäuferInnen, die zum teil mit dem Auto anreisen. Auch eine Reduktion der Stellplätze in der Garage wäre wünschenswert, da jeder Stellplatz zusätzlichen motorisierten Individualverkehr erzeugt. Die derzeitig existierende Garage ist sehr schwach ausgelastet. Der Standort ist mit öffentlichem Verkehr gut erschlossen und die ÖBB sollte sich bemühen, die Menschen auf die Schiene zu bekommen und nicht den MIV unterstützen.

Die meisten KundInnen der Geschäfte sind die Fahrgäste und dies ist ein Service an diese zu verstehen. Die Anzahl der Stellplätze orientiert sich an der bestehenden Garage. Außerdem rechnet man mit der Zunahme von KundInnen, die die ÖBB benutzen.

Teil 2: Umwelt folgt

UVP Städtebau und Verkehr: bis 20.6.08 Einwendungen möglich!

Derzeit werden zwei Umweltverträglichkeitsprüfungen gleichzeitig durchgeführt. Das städtebauliche Vorhaben rund um das Entwicklungsgebiet Hauptbahnhof Wien hat durch das Entstehen eines neuen Stadtviertels natürlich auch Auswirkungen auf die angrenzenden Bezirke. Ebenso gilt dies auch für das dazugehörende Verkehrskonzept, Belastungen durch zusätzlichen Individualverkehr treffen vor allem die BewohnerInnen rund um das Stadtviertel.
Daher können NachbarInnen eine Stellungnahme zu den beiden UVP abgeben, und damit Parteienstellung in den Verfahren erlangen!

Damit erhält man/frau sowohl Akteneinsicht und kann bei der mündlichen Verhandlung zur UVP teilnehmen bzw. auch Berufung gegen den Bescheid einlegen. Als NachbarIn können Sie sich insbesondere gegen Einwirkungen wenden, die Ihre Gesundheit beeinträchtigen wie etwa Lärm, Staub oder Geruch. Sie können auch private Wasserrechte wie Brunnen schützen lassen. Dies betrifft nicht nur das fertige Projekt, sondern auch die Bauphase!

Voraussetzung: die Einwände müssen fristgerecht bis 20. Juni 2008 eingebracht werden und begründet sein.
Wenn Sie von diesen Projekten betroffen sind, können Sie die angehängten Stellungnahmen nutzen, angeführte Einwände streichen und weitere hinzufügen. Wichtig ist, die Unterschrift nicht zu vergessen!

Also, Beziehen Sie Stellung! Stellungnahme hier: Stellungnahmen UVP Städtebau und Straßenbau.

Was wird hier eigentlich gebaut?

Ursprünlich aus Oberösterreich über den Westbahhof nach Wien kommend war die Sache mit den Kopfbahnhöfen immer schon so ein kaiserliches Konzept, getreu dem Motto „Alle Wege…“. Da ist die Idee eines Zentralbahhof, die es ja schon länger gibt, eine logische um einer Verkehrsanbindung einer Hauptstadt der Union gerecht zu werden.

Und genau hier kommt man das erste mal ins Grübeln. Was wird da eigentlich gebaut? Und für wen? Selbst auf der, eigens von der ÖBB eingerichtet, Hompage (hauptbahnof-wien.at) wird viel über Europa und den Gewinn für die Fernreisenden geschrieben. Das Wort Pendlerinnen kommt, wenn überhaupt, nur sehr versteckt vor.

Beim Blick auf die Planungen und beim Lesen von ein paar Zahlen wird es dann auch deutlicher. Ja, da wird ein Bahhof gebaut, auch. Aber die Bezeichnung als Shoppincenter mit wirklich hervorragender Verkehrsanbindung wäre wohl treffender.

Der neue Stadtteil wird in den nächsten Jahren gebaut. Mehrere Tausend Menschen werden hier wohnen und auch arbeiten. Das alles wäre eine Chance um notwendige Entwicklungen wie niedriger Engergieverbrauch, Stichwort Klimawandel, gerecht zu werden oder Antworten auf die geänderten Lebenssituationen von uns Allen in Familie, am Arbeitsplatz und zwischen den Generationen zu geben.

Also: Was wird hier eigentlich gebaut?